Digitales Management für Gartenbau und Pflanzenhandel

Wenn es um komplexe Produktionsabläufe geht, fällt einem nicht sofort der Pflanzenhandel und Gartenbau ein. Dabei sind die Abläufe in Produktion, Lieferung und Handel von Stauden, Schnittblumen und Zierpflanzen vielschichtiger und komplexer, als man vielleicht denkt. So sind Nachfrage und Absatz stark von externen Faktoren, wie z. B. der Witterung, Feiertagen oder Ferien, regionalen Veranstaltungen oder auch unbekannten Einflussfaktoren, abhängig. Hinzu kommt eine schnelle Verderblichkeit der Waren. Das macht die Planung für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette schwierig und führt zu Unsicherheiten. Das Resultat ist häufig nicht rechtzeitig verfügbare Ware oder auch ein Überschuss, der vernichtet werden muss – bei einem jährlichen Produktionswert von über 5 Milliarden Euro sind beide Punkte ökonomische und ökologische Probleme in der Branche.

Um die wirtschaftliche Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Innovationen für die Automatisierung und Digitalisierung im Gartenbau. Im Rahmen der Ausschreibung über die Förderung von Innovationen für einen Gartenbau 4.0 haben sich bundesweit Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen beworben. Im gemeinsamen Projektverbund haben auch wir eine Projektskizze eingereicht und freuen uns, dass wir das Expertengremium überzeugen konnten und den Zuschlag zur Entwicklung eines Data-Management-Systems für den Gartenbau erhalten haben.

Unter dem Namen PlantGrid durften wir eine digitale Anwendung in Form eines Demonstrators entwickeln, die es allen beteiligten Unternehmen entlang einer Supply Chain ermöglicht, zukünftig datenbasierte Entscheidungen zu treffen.

Automatisierung & Big Data im Gartenbau

Wenngleich die Digitalisierung natürlich auch im Gartenbau und Pflanzenhandel Einzug erhalten hat, sind bisherige technologische Anwendungen doch in der Regel nur auf bestehende Produktions- und Liefernetzwerke abgestimmt. Nicht berücksichtigt wird die Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Verbrauchern in heterogenen Lieferketten.

Mit PlantGrid haben wir einen Demonstrator geschaffen, der

  • heterogene Strukturen in Supply Chains für den Pflanzenmarkt adäquat abbildet
  • interne und externe Daten nutzt, um Absatzprognosen verlässlicher zu machen
  • Prognosen direkt auf eine bessere Planung und Optimierung der Lieferabläufe anwendet
  • die Logistik optimiert
  • Bestellungen des Garteneinzelhandels optimiert
  • durch Automatisierung die Mitarbeiterzufriedenheit im Zierpflanzenmarkt verbessert

Mithilfe von Big-Data-Analysen können so Veränderungen auf der Absatzseite bis ins letzte Glied der Supply Chain berücksichtigt werden und wirken sich direkt auf Produktion, Lieferung und Absatz aus.

Nähere Informationen zum Vorgehen der Hochschule Geisenheim und dem PlantGrid-Projekt zeigt der folgende Projektfilm:

#snoopforscht

PlantGrid ist ein weiteres Forschungsprojekt, bei dem wir als Digitalagentur beteiligt sind. Wir haben mithilfe von Experteninterviews die technologischen Anforderungen (Datenspeicherung, Schnittstellen) an die PlantGrid-Anwendung definiert und letztlich in Form eines nutzerfreundlichen Dashboards umgesetzt.

Darüber hinaus legen wir einen besonderen Fokus auf die datenschutzrechtlichen und sicherheitsbezogenen Anforderungen. Während der Projektlaufzeit haben wir bei snoopmedia in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan Triesdorf (HSWT) die Daten der neun Partnerbetriebe harmonisiert und über eine API zur Verfügung gestellt. Die Historie der Daten innerhalb der Betriebe geht teilweise bis zum Jahr 2000 zurück. Deswegen und aufgrund der unterschiedlichen Daten-Strukturen innerhalb der Partnerbetriebe haben wir eine große und heterogene Datenmenge in einem ersten Schritt standardisiert, um sie für die weitere Verarbeitung sinnvoll nutzen zu können.

Die harmonisierten Daten wurden von der Hochschule Weihenstephan Triesdorf mithilfe von Machine Learning analysiert. Daraus entstand dann ein Prognosemodell, das wiederum als Grundlage für die Hochschule Geisenheim (HGU) dient, um auch bei den Logistikprozessen ein Modell zur Berechnung der optimalen Menge erstellen zu können. Alle Ergebnisse werden im von snoopmedia konzipierten und entwickelten Dashboard ausgegeben.

Weitere projektbezogene Informationen

Förderkennzeichen: 28-1-85.04M-18

Projektpartner: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FG Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FG Bioinformatik; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FG Handelsbetriebslehre; Hochschule Geisenheim University, Institut für Frischproduktlogistik, Professur für Gartenbauökonomie; Hochschule Geisenheim University, Institut für Frischproduktlogistik, Professur für Logistikmanagement; Fahn GmbH und Co KG; Stauden Peters Pflanzenvertriebs-GmbH; Schachtschneider Stauden und Marketing GbR; Müller Blumen und Garten GmbH; Bern & Sören Offenloch GbR; Ulrich und Vitus Würstle GbR; Pflanzencenter Keller GbR; Gartenbau Heusser; Bayrische Blumen Zentrale GmbH; Fleurop AG; Gärtnerei Reichert.